Wandern - Tour 1

Tour 1:
Kleine Schleifen in und um Kirchberg
Vom Leugenstein in der Oberstadt hinunter zum Karrenberg und über Dillendorf zurück entlang des Nordwalls in die Innenstadt
Länge: ca. 7 km
Reine Wanderzeit: ca. 1 ¾ Stunden
Anreise: Start und Ziel ist der Leugenstein in der Oberstadt, wo auch Parkmöglichkeiten in unmittelbarer Nachbarschaft vorhanden sind. Mit dem Bus kann die Anreise mit der Regio Linie 644 bis Haltestelle „Kirchberg-
Oberstraße“ erfolgen.
Einkehrmöglichkeiten:
Gaststätten, Restaurants und Cafés in Kirchberg,
Terrassencafé in Dillendorf (geöffnet
April bis Oktober, 14-22 Uhr)
Wegbeschreibung:
Wir gehen hinüber zum Leugenstein, der im Jahre 1996 aufgestellt wurde.
Er erinnert an das römische Dumnissus in der Peutingerkarte und an den
römischen Dichter Ausonius. Auf der dortigen Wandertafel ist der über
viele km schnurgerade
Verlauf der Ausoniusstraße gut zu erkennen. Schräg gegenüber des
Leugensteins das Anwesen Hauptstraße 75, ein ehemaliges Burghaus, in
dessen Treppenturm die Jahreszahl 1578 zu finden ist. Wir setzen unsere
Wanderung auf dem Ausoniusweg AU in Richtung Trier fort. An der
Kreissparkasse vorbei folgen wir der gesamten Oberstraße und passieren
hinter der Straße nach Dillendorf ein Backsteingebäude aus dem Jahre
1864,in dem bis Ende 2003 das Forstamt Kirchberg untergebracht war.
Hinter der Straßenmeisterei benutzen wir den Grasweg parallel der
Straße. Wir verlassen die Kreisstraße an der Waldecke und ziehen an
einem südlichen Waldrand zu Tal. Links der Hof Engelrod. Nachdem wir an
„Asterixruh“ noch einen Blick auf das Haus Karrenberg, ein
evangelisches Rüstzeitheim, geworfen haben, ziehen wir steil den
„Bissula-Pfad“ hinab. Dieser Pfad folgt dem steilen Abstieg der alten
Römerstraße.Kurz vor dem Steg über den Kyrbach verlassen wir AU und
biegen nach links auf VII zur Höhe. VII leitet uns jetzt bis Kirchberg.
Es handelt sich dabei um einen von Dillendorf heraufziehenden alten
Mühlenweg. Wir verlassen den Waldrand und gelangen über einen
asphaltierten Feldweg auf die Höhe. Vor uns der Hof Engelrod und
dahinter Kirchbergs Türme. Nach Westen geht der Blick über eine schier
endlose Waldlandschaft zur 746 m hohen Kuppe des Idarkopfes. Wir wenden
uns auf der Höhe nach Süden hinunter in Richtung Dillendorf und
erreichen die Kreisstraße, der wir bis zum Ortsrand folgen. Zwischen
den ersten beiden Häusern auf der linken Seite biegen wir von der
Kreisstraße ab ins Tal. Der Beginn des Asphalts markiert das Eindringen
in die Kirchberger Gemarkung. Dann eine Wegekreuzung am ehemaligen
Pumpwerk des Kirchberger Wasserwerkes aus dem Jahre 1900. Von hier
wurde das Wasser aus den benachbarten Brunnen hinauf ins Bassin im
Wasserturm gepumpt, um von dort genug Druck für Kirchbergs
Wasserversorgung zu garantieren. Der Wasserturm auf der Höhe ist nun
unser Wegweiser hinauf zum etwa 1 km entfernten Kirchberg. Links der
Reiterhof „Talhof“. Vor der Aussiedlung „Kunzhof“ noch ein Blickzurück
ins Kyrbachtal. Vor Erreichen des Wasserturms links das Notariat und
der katholische Kindergarten. Der Wasserturm aus dem Jahre 1900 ist
seit dem Jahre 2000 außer Betrieb und befindet sich seit 2004 in
Privateigentum. Etwa 50 m westlich des Leugensteins überqueren wir die
Kreuzung an der Kreissparkasse und biegen in den Spazierweg entlang des
Nordwalles ein. Die Gärten rechts befinden sich auf dem aufgefüllten
Wallgraben, der sich einst um den mittelalterlichen Stadtkern zog. Die
letzten Teile des Wallgrabens wurden Anfang der 1970er Jahre
aufgefüllt. Immer wieder ein schöner Blick auf die mächtige Pfarrkirche
St. Michael. Links davon ragt das Glockentürmchen des Rathauses in den
Himmel. Wir benutzen den ersten Weg in Richtung Innenstadt, zu der wir
durch die Eifelgasse gelangen. Kurz vor Erreichen des Marktplatzes
passieren wir ein kleines Fachwerkwohnhaus (Schülergasse 1), in dem
heute das Heimathaus untergebracht ist. Nach Erkundung von
Marktplatz und Kirchplatz, die beide durch einen Torbogen seit 1949
getrennt sind, gelangen wir über die Hauptstraße wieder zurück zum
Leugenstein.
Aus der Stadtgeschichte
Kirchberg blickt auf eine lange geschichtliche Vergangenheit zurück.
Kelten, Römer, Franken und später die Grafen und Fürsten des
Mittelalters wie z.B. die Grafen von Sponheim, die Markgrafen von
Baden, haben hier ihre Spuren hinterlassen. In Kirchberg, der ältesten
Stadt des Hunsrücks, befindet sich auch der Sitz der gleichnamigen
Verbandsgemeindeverwaltung, die mit 40 Ortsgemeinden und einer Fläche
von 228 km² zu einer der größten im Land Rheinland-Pfalz zählt.
Die Geschichte der Stadt reicht weit zurück. Streufunde aus der Jungsteinzeit (4000 bis 1800 v. Chr.) weisen
auf eine frühe Besiedlung hin, die in der Bronze- und Eisenzeit weiter zunahm. Sichtbare Zeugnisse aus dieser Zeit sind die vielen Hügelgräber im Umkreis von Kirchberg. Um 50 v. Chr. stießen die Römer von Gallien her bis zum Rhein vor und legten zur militärischen Sicherung der eroberten Gebiete ein Netz von Straßen an,
so auch die Fernstraße von Trier über den „Stumpfen Turm“ nach Bingen.
An der Stelle des heutigen Kirchberg wird eine Militärstation (Mansio)
und ein kleines Marktzentrum vermutet. Im Südosten Kirchbergs fand man Reste einer Villa Rustica und zwei Grabdenkmäler eines Friedhofs. Weitere römische Funde wie Scherben und Gefäße, Leichenbrand, eine Bronzeglocke, Henkel einer Amphore, Münzen und Reste eines römischen Bades im Stadtteil Denzen kamen immer wieder bei Bauarbeiten zum Vorschein.
Der kelto-römische Ortsname Dumno (Dumnissus) findet sich erstmals in einer römischen Straßenkarte des
4. Jahrhundert, die in einer Nachzeichnung aus dem 13. Jahrhundert erhalten ist. Als der römische Dichter
Decimus Magnus Ausonius im Jahre 368 von Bingen über Kirchberg nach Trier reiste und in seiner dichterischen
Beschreibung
„Mosella“ den Ort Dumnissus (das heutige Kirchberg) erwähnte, konnte er
nicht ahnen, dass er damit das älteste erhaltene Zeugnis über eine
römische Siedlung auf den Hochflächen des Hunsrücks hinterlassen würde.
An die römische Zeit, als Kirchberg unter dem Namen „Dumnissus“ eine
bedeutende Straßenstation an der alten Römerstraße zwischen Bingen und
Trier war, erinnert die Rekonstruktion eines Leugensteins auf dem
Grundstück Ecke Hauptstraße/ Auf dem Gleichen. Der Sandstein wurde von
dem inzwischen verstorbenen Ehrenbürger Erwin Wagner im September 1996
gestiftet.
Nach dem Verfall der Römerherrschaft im 5. Jahrhundert ging das gesamte römische Fiskalland in das Krongut der fränkischen Könige über. Am 19. November 995 übertrug König Otto III. dem Grafen Becelin das
Königsgut Denzen. 1127 wird Kirchberg erstmals in einer Urkunde genannt
(Chiriperg, später Kiriperc, Kyrperg usw.). Bei einer späteren Teilung
fällt Kirchberg an die Grafen von Sponheim. Seitdem war die
geschichtliche Entwicklung der Stadt eng mit den Sponheimern und deren
Erben verbunden. 1259 erhielt Kirchberg Stadtrechte. Das mittelalterliche Stadtzentrum war damals von einer turmbewehrten Mauer
(mit Wassergraben und Vorwall) umgeben, deren Verlauf heute noch aus
der Vogelperspektive sichtbar ist. Der einst so wichtige Stadtgraben,
insbesondere auf der Nordseite, hatte noch bis in die fünfziger Jahre
des letzten Jahrhunderts seine Wasserfläche, bevor er zugeschüttet
wurde. Aus früheren Zeiten sind vor allem die Stadtansichten aus dem
17. Jahrhundert von Meisner und Merian bekannt. Die älteste Darstellung
Kirchbergs hängt als Kopie im Heimathaus. Es handelt sich im Original
um ein Ölgemälde aus der Zeit um 1610 und zeigt den befestigten
Stadtkern aus Richtung Simmern. 1689 zerstörten französische Truppen
Stadt und Befestigungsanlagen. Die gemeinsame Verwaltung der Vorderen
Grafschaft Sponheim durch Kurpfalz, Pfalz-Simmern und Baden wurde 1708
durch Realteilung aufgehoben, wobei das Amt Kirchberg an Baden fiel.
Kirchberg wurde Verwaltungssitz des neuen Oberamtes. In dieser Zeit
blühte insbesondere das Marktwesen auf, was durch ein eigenes
Kirchberger Fruchtmaß belegt ist. In keinem Ort des Hunsrücks fanden so
häufig und so gut besuchte Handelsmärkte statt wie im alten Kirchberg.
Dass es dabei oft lebhaft zuging, ist verständlich, gab es doch im
Städtchen zeitweise mehr als 20 Wirtschaften und fünf Brauereien. Das
Badische Oberamt Kirchberg bestand bis zum Einmarsch des französischen
Revolutionsheeres im Jahre 1794. Letzter badischer Oberamtmann war Karl
Wilhelm Ludwig Friedrich Drais Freiherr von Sauerbronn, der Vater von
Karl Freiherr von Drais, dem Erfinder der Laufmaschine und der Draisine. Während der Franzosenzeit (1794- 1814) war Kirchberg Kantonssitz im Arrondissement Simmern. 1815 wurde Kirchberg
Sitz der preußischen Landbürgermeisterei. Nach langen und zähen
Verhandlungen erhielt Kirchberg im August 1858 erneut die Stadtrechte.
Sehenswürdigkeiten
Enge Gassen, idyllische Winkel und romantische Fachwerkhäuser prägen noch heute den mittelalterlichen
Charakter des Städtchens. Besonderes Interesse verdienen der Marktplatz
und die historischen Häuser in seiner Umgebung. Die Häuser, die den
Platz umschließen, stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Das
Ensemble dieser rechteckigen Platzanlage zwischen Hauptstraße und
Rathaus gilt als bedeutendes Beispiel barocker Platzgestaltung im
ländlichen Raum. Eine gewachsene und doch bedachte Planung über längere
Zeiträume zeigt
sich in der Anordnung der Häuser im Bereich des
Marktplatzes. So sind die Gebäude der Nordseite auf das dominierende
Rathaus abgestimmt. Die Mehrzahl der Häuser ist aus Fachwerk (z.T.
verputzt, z.T. wieder freigelegt). Auf der Ost- und Südseite hat die
Bebauung durch Um- und Neubau im 19. und 20. Jahrhundert hingegen stark
gelitten. Vor dem „Haus Weber“ (Tourist-Information) wurde 1988 über
einem ca. 20 Meter tiefen Brunnenschacht eine Brunnenanlage errichtet.
Die Anlage selbst und die Pflasterung um den Brunnenaufbau deuten den
alten Stadtkern mit Wallgraben an.
Das Rathaus ,
1746 unter Verwendung von Teilen des Vorgängerbaus aus dem 17.
Jahrhundert errichtet, beherrscht den Platz durch seine Ausmaße und die
strenge Architektur. Heute Sitz der Verbandsgemeindeverwaltung
Kirchberg.
Das „Haus Weber“ , erbaut in der 1.
Hälfte des 17. Jahrhunderts, links neben dem Rathaus, fällt auf durch
sein reiches symmetrisches Fachwerk und den 1698 ergänzten fünfseitigen
Erker mit geschweifter Haube. Im Innern finden sich noch Teile eines
barocken Treppenhauses und Reste von sogenannten „Kölner Decken“. Heute
sind hier die Volksgehochschule Hunsrück und die Tourist- Information
untergebracht.
Das Haus Marktplatz 7 (links neben
der Tourist-Information) wurde um 1700 erbaut und beherbergt heute ein
Restaurant. In der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das Gebäude
unter Beibehaltung des alten Hauseingangs mit einem bronzenen Löwenkopf
als Türklopfer und einem kleinem ovalen Oberlicht über dem Türsturz
vorbildlich restauriert.
Die „Schwanen-Apotheke“
östlich des Rathauses ist ein Beispiel für Fachwerkhäuser des 17.
Jahrhunderts. In der streng symmetrisch angeordneten Fassade, mit dem
doppelt geschweiften Giebel, befinden sich unter den Fenstern zum
Marktplatz hin Konsolköpfe. Diese wurden ebenso wie die reich
geschnitzten Fensterumrahmungen
nach Art der „Fränkischen Erker“
erst später ergänzt. Das erste nachweisbare Privileg für eine Apotheke
in Kirchberg wurde 1752 durch Ludwig Georg, Markgraf von Baden erteilt.
Damit ist die Kirchberger Apotheke die älteste auf dem Hunsrück.
Auf der Südseite des Marktplatzes wurde 1753 die ehemalige Badische Försterei (Hauptstraße 17) erbaut.
Seit
dem Umbau 1904 zeigt nur noch die Hoffront des Gebäudes und die
überbaute Toreinfahrt auf der Straßenseite annährend den alten Zustand.
Ursprünglich zwei-, heute dreigeschossig. Geburtshaus des berühmten
Reitergenerals Friedrich Karl von Tettenborn (1778-1845).
Badische Gendarmerie
(Hauptstraße 19). Erbaut nach 1750, umgebaut 1978. Die Fassade ist das
einzige Beispiel spätbarocker repräsentativer Wandgestaltung im
Rhein-Hunsrück-Kreis. Im Durchgang der linken Arkade befindet sich eine
Nische mit lebensgroßer Sandstein-Figur des hl. Johann Nepomuk. Der
Heilige in der üblichen Chorherrentracht hält in der linken Hand eine
Palme, in der rechten Armbeuge ein Kruzifix, das er mit geneigtem Kopf
betrachtet. Es handelt sich um eine qualitätsvolle Arbeit, die dem
Mainzer Hofbildhauer Burkhard Zamels
(† vor 1757) zuzuschreiben ist.
Die katholische Pfarrkirche St. Michael
ist die historisch bedeutendste und wohl auch älteste Kirche auf dem
Hunsrück. Bereits in karolingischer Zeit entstand auf dem Gebiet des
Denzer Königsguts die Großpfarrei Kirchberg. Zu dem ausgedehnten
Pfarrsprengel gehörten Ende des 15. Jahrhunderts insgesamt 51 Orte.
1688 wurde die Benutzung der Michaeliskirche als Simultankirche
eingeführt. Dieses Simultaneum wurde durch notariellen Vertrag vom 15.
Juni 1965 aufgehoben. Die evangelische Kirchengemeinde verkaufte ihren
Anteil
an die katholische Kirchengemeinde, um mit dem Erlös den
Neubau der Friedenskirche zu finanzieren. Die 1967/68 durchgeführten
Grabungen im Kirchenbereich haben ergeben, dass die heutige
spätgotische Hallenkirche drei steinerne Vorgängerbauten (8.–11.
Jahrhundert) hatte. Deren Fundamente sind teilweise freigelegt worden
und können nach Absprache besichtigt werden. Der 43 m hohe Kirchturm an
der Westfassade des Langhauses
stammt aus der Zeit nach 1200. Der
relativ einfach verputzte Außenbau der Michaeliskirche mit hohen
Maßwerkfenstern wird belebt durch das in Sandstein ausgeführte
Hauptportal mit Vorhalle auf der Südseite.
Im Kircheninnern überrascht zunächst die Weiträumigkeit und Einheitlichkeit des beinahe quadratischen
Langhauses,
hervorgerufen durch die annähernd gleiche Höhe von Mittelschiff und
Seitenschiffen sowie durch die weiten Pfeilerabstände. Im Langhaus
befinden sich an den Pfeilern und Gewölberippen 74 Steinmetzzeichen,
die mindestens 10 verschiedenen Handwerkern zugeordnet werden können.
Der Chor wird von einem Netzgewölbe
mit fünfteiligem Stern im
Chorschluss überspannt. Von überdurchschnittlicher Qualität sind die
beiden Schlusssteine des Chorschlusses mit der segnenden Hand
Gottvaters und dem Antlitz Christi. Die Ausmalung des Langhauses wurde
1968 nach spätgotischen Befunden wiederhergestellt. Zu den ältesten
Teilen der Kirche gehört der runde Turm auf der Südwestseite des
Langhauses. Dieser Treppenturm wird dem Bau III (1. Hälfte des
11.
Jahrhundert) zugerechnet. Zu den wenigen Ausstattungsstücken, die aus
der Erbauungszeit erhalten geblieben sind, gehört die Sandsteinkanzel
(um 1490), die am nördlichen Chorpfeiler angebracht ist. Der Hochaltar
aus Eichenholz besitzt seit 1969 wieder die ursprüngliche Farbfassung.
Er wird der Mainzer Altarkunst zugerechnet und zählt zu den
wertvollsten Altären im Hunsrück. Im Mittelteil des Altars befindet
sich ein Gemälde mit dem kämpfenden Erzengel Michael (Kopie eines
Gemäldes von Guido Reni), in der Altarbekrönung die gemalte Halbfigur
des hl. Bonifatius mit der Jahreszahl 1750 und als Abschluss das Auge
Gottes im Strahlenkranz. Die Seitenaltäre wurden 1968 um die Mensa
verkürzt und sind im Aufbau gleich. Sie zeigen in baldachingeschmückten
Nischen auf der Nordseite Maria Immaculata (1759) und auf der Südseite
Johannes Nepomuk (1780). Der Beichtstuhl auf der südwestlichen Seite
unter der Empore wurde um 1800 mit klassizistischen Schmuckelementen
gefertigt. Das im Chorraum aufgestellte Taufbecken kann in die erste
Hälfte des 18. Jahrhunderts datiert werden. Zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert sammelten sich im Innern
der
Kirche zahlreiche, zumeist recht einfache Grabdenkmäler von Mitgliedern
des Ortsadels, von Beamten und führenden Bürgern der Stadt an.
Kunsthistorisch interessant sind vor allem die Inschriftepitaphien aus
der Simmerner Werkstatt des Johann von Trarbach.
Der Nordeingang der Kirche ist in der Regel tagsüber geöffnet.
Besichtigung und Führung nach Vereinbarung mit dem Pfarramt, Tel. 06763/1513.
Der Kirchplatz um die Michaeliskirche, der bis 1792 noch als Friedhof gedient hatte, ist heute allseits durch Häuserzeilen begrenzt.
Das katholische Pfarrhaus
auf der Westseite des Kirchplatzes ist ein ehemaliges Piaristenkloster
mit Portalwappen aus badischer Zeit, erbaut 1765. Bereits 1757 waren
auf Betreiben des damaligen Landesherrn
Ludwig Georg, Markgraf von
Baden, Piaristen aus Rastatt zur Seelsorge und Schultätigkeit nach
Kirchberg berufen worden, um die Nachfolge der in Kirchberg tätigen
Karmeliter anzutreten. In den Innenräumen des Gebäudes befinden sich
noch einige Heiligenfiguren und mehrere historische Gemälde aus der
Zeit der Piaristen sowie ein alter Brunnen aus einem Vorgängerbau.1978 erfolgte die Umgestaltung zum katholischen Pfarrzentrum.
Nur
wenige Schritte vom Marktplatz entfernt, dort, wo die Schülergasse in
die Eifelgasse einmündet, steht ein auffälliges, schmalbrüstiges
Fachwerkhaus, in dem seit 1984 ein kleines sehenswertes Heimatmuseum
untergebracht
ist. Hier wird die vielseitige Geschichte der „Stadt auf dem Berge“ von
den Anfängen bis zur Neuzeit in Exponaten, Urkunden und Bildern auf
anschauliche Weise dokumentiert. Das Heimathaus beherbergt außerdem
eine kleine historische Fahrradsammlung. Erbaut wurde das Haus 1732.
Das zweigeschossige streng gegliederte Fachwerkhaus mit leicht
vortretendem Obergeschoss hat einen trapezförmigen Grundriss mit einer
Breite von 1,65 m zum Marktplatz hin.
An die ehemalige Badische Truchsesserei in der Markgrafengasse erinnert nur noch das kleine Wachthaus an der Einmündung der Eifelgasse in die Straße „Auf dem Gleichen“. Von den früheren Burghäusern ist nur der Adelshof der Familie von Eich
(Hauptstraße 75) am westlichen Ende des alten Stadtkerns in Teilen
erhalten geblieben, insbesondere der achteckige Treppenturm mit
Wendeltreppe und dem Wappen des Erbtruchsesses Jakob von Eich mit der
Jahreszahl 1578. Die geschweifte Haube des Treppenturms wurde 1983 nach
altem Vorbild erneuert.
Die im 18. bis 20. Jahrhundert in Kirchberg
ansässigen Juden waren in einer jüdischen Kultusgemeinde
zusammengeschlossen. Sie hatten eine kleine Synagoge in der
Glöcknergasse (vorher Affengasse), eine
Religionsschule und einen eigenen Friedhof
an der Metzenhausener Straße. In Kirchberg sind bereits sehr früh
(erstmals 1287) jüdische Händler nachweisbar. Ein Pogrom im 14.
Jahrhundert bewirkte das vorläufige Ende der Judengemeinde in
Kirchberg. Erst im 18. Jahrhundert entwickelte sich wieder eine
jüdische Gemeinde. In
der NS-Zeit verließen viele Juden ihren
Heimatort und wanderten aus. 70 Kirchberger Juden wurden zwischen
1942-1945 Opfer der Shoa. Am 9. November 1938 wurde die Kirchberger
Synagoge geschändet und 1972 abgerissen. Zur Erinnerung an die
Kirchberger Juden, die im III. Reich umgebracht wurden, errichtete die
Stadt Kirchberg im November 1998 auf dem Marktplatz vor der
Tourist-Information einen Gedenkstein.
Einer der drei weithin sichtbaren Türme von Kirchberg, der Wasserturm,
gilt neben der Michaeliskirche und der Friedenskirche als Wahrzeichen
der Stadt. Er wurde 1899 „Auf der Schied“ am Südwestrand der Stadt
errichtet und 1900 zusammen mit dem Wasserwerk in Betrieb genommen. Der
36 m hohe Wasserturm wird heute für die Trinkwasserversorgung nicht
mehr benötigt und befindet sich in Privatbesitz.
Ehemaliger Gefängnisturm
Zu den ältesten Gebäuden der Stadt zählt das in der „Glöcknergasse“
stehende Haus Glöcknergasse 10. Es trug früher den Namen Gasthaus „Zum
Affen“. Dieser Name soll der Überlieferung nach von einem hölzernen
Gerät, das die Bezeichnung „Affen“ hatte, stammen. Es wird berichtet,
dass bei kleineren Vergehen die Betroffenen an diesen Affen (Pranger)
gebunden wurden und dem Spott und Hohn der Bevölkerung ausgesetzt
waren. Auf der Westseite des Gebäudes sind noch sichtbare Reste der
Stadtmauer zu erkennen.
Bekannte Persönlichkeiten
Karl Friedrich Freiherr von Drais, am 29. April 1785
in Karlsruhe als Sohn eines angesehenen Hofrats geboren, entwickelte
1817 das erste lenkbare Laufrad und legte damit den Grundstock für
unsere heutigen Fahrräder. Der Vater war im September 1790 vom Markgraf
von Baden aus gesundheitlichen Gründen nach
Kirchberg, damals
Verwaltungssitz des Badischen Oberamtes, versetzt worden. Mit dem
Ausbruch der französischen Revolution und dem Vordringen der
französischen Truppen floh die Familie 1794 nach Karlsruhe.
Nach dem Studium schlug Karl zunächst die Forstlaufbahn ein. Schon früh machte er seine ersten Erfindungen.
So
konstruierte Karl 1813 eine vierrädrige „Fahrmaschine ohne Pferde“. Im
Jahr 1817 konnte er dann seine „Laufmaschine“ vorstellen. Das Laufrad
war nicht die einzigste Erfindung des Genies. So entwickelte er im
Zeitalter des beginnenden Eisenbahnbaus eine nach ihm benannte
Eisenbahndraisine. Eine Gedenktafel
ihm zu Ehren wurde im Juli 1997 am Torbogen zwischen Marktplatz und Kirchplatz angebracht. Ein Nachbau
der von ihm erfundenen „Laufmaschine“ steht heute im Kirchberger Heimathaus.
Nanny Lambrecht, am 15. April 1868 in Kirchberg
geboren und aufgewachsen, ist ohne Zweifel die größte Tochter
Kirchbergs und gleichzeitig die bedeutendste Hunsrücker
Schriftstellerin. Sie war für ihre Zeit eine überaus mutige, sozial
engagierte Autorin, die furchtlos soziale Ungerechtigkeiten anprangerte
und eine Verbesserung der Lebensverhältnisse, vor allem der Frauen,
anstrebte. Mit ihrem wohl bekanntesten Hunsrückroman „Armsünderin“
entfesselte sie 1906 den katholischen Literaturstreit darüber, was
Dichtung darf. Das in der Hauptstraße gelegene Anwesen Nr. 67 ist ihr
Geburtshaus.