Wandern - Tour 1

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Tour 1:
Kleine Schleifen in und um Kirchberg


Vom Leugenstein in der Oberstadt hinunter zum Karrenberg und über Dillendorf zurück entlang des Nordwalls in die Innenstadt

Länge:
ca. 7 km
Reine Wanderzeit: ca. 1 ¾ Stunden
Anreise: Start und Ziel ist der Leugenstein in der Oberstadt, wo auch Parkmöglichkeiten in unmittelbarer Nachbarschaft vorhanden sind. Mit dem Bus kann die Anreise mit der Regio Linie 644 bis Haltestelle „Kirchberg-
Oberstraße“ erfolgen.
Einkehrmöglichkeiten:
Gaststätten, Restaurants und Cafés in Kirchberg,
Terrassencafé in Dillendorf (geöffnet
April bis Oktober, 14-22 Uhr)

Wegbeschreibung:
Wir gehen hinüber zum Leugenstein, der im Jahre 1996 aufgestellt wurde. Er erinnert an das römische Dumnissus in der Peutingerkarte und an den römischen Dichter Ausonius. Auf der dortigen Wandertafel ist der über viele km schnurgerade Verlauf der Ausoniusstraße gut zu erkennen. Schräg gegenüber des Leugensteins das Anwesen Hauptstraße 75, ein ehemaliges Burghaus, in dessen Treppenturm die Jahreszahl 1578 zu finden ist. Wir setzen unsere Wanderung auf dem Ausoniusweg AU in Richtung Trier fort. An der Kreissparkasse vorbei folgen wir der gesamten Oberstraße und passieren hinter der Straße nach Dillendorf ein Backsteingebäude aus dem Jahre 1864,in dem bis Ende 2003 das Forstamt Kirchberg untergebracht war. Hinter der Straßenmeisterei benutzen wir den Grasweg parallel der Straße. Wir verlassen die Kreisstraße an der Waldecke und ziehen an einem südlichen Waldrand zu Tal. Links der Hof Engelrod. Nachdem wir an „Asterixruh“ noch einen Blick auf das Haus Karrenberg, ein evangelisches Rüstzeitheim, geworfen haben, ziehen wir steil den „Bissula-Pfad“ hinab. Dieser Pfad folgt dem steilen Abstieg der alten Römerstraße.Kurz vor dem Steg über den Kyrbach verlassen wir AU und biegen nach links auf VII zur Höhe. VII leitet uns jetzt bis Kirchberg. Es handelt sich dabei um einen von Dillendorf heraufziehenden alten Mühlenweg. Wir verlassen den Waldrand und gelangen über einen asphaltierten Feldweg auf die Höhe. Vor uns der Hof Engelrod und dahinter Kirchbergs Türme. Nach Westen geht der Blick über eine schier endlose Waldlandschaft zur 746 m hohen Kuppe des Idarkopfes. Wir wenden uns auf der Höhe nach Süden hinunter in Richtung Dillendorf und erreichen die Kreisstraße, der wir bis zum Ortsrand folgen. Zwischen den ersten beiden Häusern auf der linken Seite biegen wir von der Kreisstraße ab ins Tal. Der Beginn des Asphalts markiert das Eindringen in die Kirchberger Gemarkung. Dann eine Wegekreuzung am ehemaligen Pumpwerk des Kirchberger Wasserwerkes aus dem Jahre 1900. Von hier wurde das Wasser aus den benachbarten Brunnen hinauf ins Bassin im Wasserturm gepumpt, um von dort genug Druck für Kirchbergs Wasserversorgung zu garantieren. Der Wasserturm auf der Höhe ist nun unser Wegweiser hinauf zum etwa 1 km entfernten Kirchberg. Links der Reiterhof „Talhof“. Vor der Aussiedlung „Kunzhof“ noch ein Blickzurück ins Kyrbachtal. Vor Erreichen des Wasserturms links das Notariat und der katholische Kindergarten. Der Wasserturm aus dem Jahre 1900 ist seit dem Jahre 2000 außer Betrieb und befindet sich seit 2004 in Privateigentum. Etwa 50 m westlich des Leugensteins überqueren wir die Kreuzung an der Kreissparkasse und biegen in den Spazierweg entlang des Nordwalles ein. Die Gärten rechts befinden sich auf dem aufgefüllten Wallgraben, der sich einst um den mittelalterlichen Stadtkern zog. Die letzten Teile des Wallgrabens wurden Anfang der 1970er Jahre aufgefüllt. Immer wieder ein schöner Blick auf die mächtige Pfarrkirche St. Michael. Links davon ragt das Glockentürmchen des Rathauses in den Himmel. Wir benutzen den ersten Weg in Richtung Innenstadt, zu der wir durch die Eifelgasse gelangen. Kurz vor Erreichen des Marktplatzes passieren wir ein kleines Fachwerkwohnhaus (Schülergasse 1), in dem heute das Heimathaus untergebracht ist. Nach Erkundung von Marktplatz und Kirchplatz, die beide durch einen Torbogen seit 1949 getrennt sind, gelangen wir über die Hauptstraße wieder zurück zum Leugenstein.


Aus der Stadtgeschichte
Kirchberg blickt auf eine lange geschichtliche Vergangenheit zurück. Kelten, Römer, Franken und später die Grafen und Fürsten des Mittelalters wie z.B. die Grafen von Sponheim, die Markgrafen von Baden, haben hier ihre Spuren hinterlassen. In Kirchberg, der ältesten Stadt des Hunsrücks, befindet sich auch der Sitz der gleichnamigen Verbandsgemeindeverwaltung, die mit 40 Ortsgemeinden und einer Fläche von 228 km² zu einer der größten im Land Rheinland-Pfalz zählt.

Die Geschichte der Stadt reicht weit zurück. Streufunde aus der Jungsteinzeit (4000 bis 1800 v. Chr.) weisen
auf eine frühe Besiedlung hin, die in der Bronze- und Eisenzeit weiter zunahm. Sichtbare Zeugnisse aus dieser Zeit sind die vielen Hügelgräber im Umkreis von Kirchberg. Um 50 v. Chr. stießen die Römer von Gallien her bis zum Rhein vor und legten zur militärischen Sicherung der eroberten Gebiete ein Netz von Straßen an, so auch die Fernstraße von Trier über den „Stumpfen Turm“ nach Bingen. An der Stelle des heutigen Kirchberg wird eine Militärstation (Mansio) und ein kleines Marktzentrum vermutet. Im Südosten Kirchbergs fand man Reste einer Villa Rustica und zwei Grabdenkmäler eines Friedhofs. Weitere römische Funde wie Scherben und Gefäße, Leichenbrand, eine Bronzeglocke, Henkel einer Amphore, Münzen und Reste eines römischen Bades im Stadtteil Denzen kamen immer wieder bei Bauarbeiten zum Vorschein.

Der kelto-römische Ortsname Dumno (Dumnissus) findet sich erstmals in einer römischen Straßenkarte des
4. Jahrhundert, die in einer Nachzeichnung aus dem 13. Jahrhundert erhalten ist. Als der römische Dichter
Decimus Magnus Ausonius im Jahre 368 von Bingen über Kirchberg nach Trier reiste und in seiner dichterischen
Beschreibung „Mosella“ den Ort Dumnissus (das heutige Kirchberg) erwähnte, konnte er nicht ahnen, dass er damit das älteste erhaltene Zeugnis über eine römische Siedlung auf den Hochflächen des Hunsrücks hinterlassen würde. An die römische Zeit, als Kirchberg unter dem Namen „Dumnissus“ eine bedeutende Straßenstation an der alten Römerstraße zwischen Bingen und Trier war, erinnert die Rekonstruktion eines Leugensteins auf dem Grundstück Ecke Hauptstraße/ Auf dem Gleichen. Der Sandstein wurde von dem inzwischen verstorbenen Ehrenbürger Erwin Wagner im September 1996 gestiftet.

Nach dem Verfall der Römerherrschaft im 5. Jahrhundert ging das gesamte römische Fiskalland in das Krongut der fränkischen Könige über. Am 19. November 995 übertrug König Otto III. dem Grafen Becelin das Königsgut Denzen. 1127 wird Kirchberg erstmals in einer Urkunde genannt (Chiriperg, später Kiriperc, Kyrperg usw.). Bei einer späteren Teilung fällt Kirchberg an die Grafen von Sponheim. Seitdem war die geschichtliche Entwicklung der Stadt eng mit den Sponheimern und deren Erben verbunden. 1259 erhielt Kirchberg Stadtrechte. Das mittelalterliche Stadtzentrum war damals von einer turmbewehrten Mauer (mit Wassergraben und Vorwall) umgeben, deren Verlauf heute noch aus der Vogelperspektive sichtbar ist. Der einst so wichtige Stadtgraben, insbesondere auf der Nordseite, hatte noch bis in die fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts seine Wasserfläche, bevor er zugeschüttet wurde. Aus früheren Zeiten sind vor allem die Stadtansichten aus dem 17. Jahrhundert von Meisner und Merian bekannt. Die älteste Darstellung Kirchbergs hängt als Kopie im Heimathaus. Es handelt sich im Original um ein Ölgemälde aus der Zeit um 1610 und zeigt den befestigten Stadtkern aus Richtung Simmern. 1689 zerstörten französische Truppen Stadt und Befestigungsanlagen. Die gemeinsame Verwaltung der Vorderen Grafschaft Sponheim durch Kurpfalz, Pfalz-Simmern und Baden wurde 1708 durch Realteilung aufgehoben, wobei das Amt Kirchberg an Baden fiel. Kirchberg wurde Verwaltungssitz des neuen Oberamtes. In dieser Zeit blühte insbesondere das Marktwesen auf, was durch ein eigenes Kirchberger Fruchtmaß belegt ist. In keinem Ort des Hunsrücks fanden so häufig und so gut besuchte Handelsmärkte statt wie im alten Kirchberg. Dass es dabei oft lebhaft zuging, ist verständlich, gab es doch im Städtchen zeitweise mehr als 20 Wirtschaften und fünf Brauereien. Das Badische Oberamt Kirchberg bestand bis zum Einmarsch des französischen Revolutionsheeres im Jahre 1794. Letzter badischer Oberamtmann war Karl Wilhelm Ludwig Friedrich Drais Freiherr von Sauerbronn, der Vater von Karl Freiherr von Drais, dem Erfinder der Laufmaschine und der Draisine. Während der Franzosenzeit (1794- 1814) war Kirchberg Kantonssitz im Arrondissement Simmern. 1815 wurde Kirchberg Sitz der preußischen Landbürgermeisterei. Nach langen und zähen Verhandlungen erhielt Kirchberg im August 1858 erneut die Stadtrechte.

Sehenswürdigkeiten
Enge Gassen, idyllische Winkel und romantische Fachwerkhäuser prägen noch heute den mittelalterlichen
Charakter des Städtchens. Besonderes Interesse verdienen der Marktplatz und die historischen Häuser in seiner Umgebung. Die Häuser, die den Platz umschließen, stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Das Ensemble dieser rechteckigen Platzanlage zwischen Hauptstraße und Rathaus gilt als bedeutendes Beispiel barocker Platzgestaltung im ländlichen Raum. Eine gewachsene und doch bedachte Planung über längere Zeiträume zeigt
sich in der Anordnung der Häuser im Bereich des Marktplatzes. So sind die Gebäude der Nordseite auf das dominierende Rathaus abgestimmt. Die Mehrzahl der Häuser ist aus Fachwerk (z.T. verputzt, z.T. wieder freigelegt). Auf der Ost- und Südseite hat die Bebauung durch Um- und Neubau im 19. und 20. Jahrhundert hingegen stark gelitten. Vor dem „Haus Weber“ (Tourist-Information) wurde 1988 über einem ca. 20 Meter tiefen Brunnenschacht eine Brunnenanlage errichtet. Die Anlage selbst und die Pflasterung um den Brunnenaufbau deuten den alten Stadtkern mit Wallgraben an.

Das Rathaus , 1746 unter Verwendung von Teilen des Vorgängerbaus aus dem 17. Jahrhundert errichtet, beherrscht den Platz durch seine Ausmaße und die strenge Architektur. Heute Sitz der Verbandsgemeindeverwaltung Kirchberg.

Das „Haus Weber“ , erbaut in der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts, links neben dem Rathaus, fällt auf durch sein reiches symmetrisches Fachwerk und den 1698 ergänzten fünfseitigen Erker mit geschweifter Haube. Im Innern finden sich noch Teile eines barocken Treppenhauses und Reste von sogenannten „Kölner Decken“. Heute sind hier die Volksgehochschule Hunsrück und die Tourist- Information untergebracht.

Das Haus Marktplatz 7 (links neben der Tourist-Information) wurde um 1700 erbaut und beherbergt heute ein Restaurant. In der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das Gebäude unter Beibehaltung des alten Hauseingangs mit einem bronzenen Löwenkopf als Türklopfer und einem kleinem ovalen Oberlicht über dem Türsturz vorbildlich restauriert.

Die „Schwanen-Apotheke“ östlich des Rathauses ist ein Beispiel für Fachwerkhäuser des 17. Jahrhunderts. In der streng symmetrisch angeordneten Fassade, mit dem doppelt geschweiften Giebel, befinden sich unter den Fenstern zum Marktplatz hin Konsolköpfe. Diese wurden ebenso wie die reich geschnitzten Fensterumrahmungen
nach Art der „Fränkischen Erker“ erst später ergänzt. Das erste nachweisbare Privileg für eine Apotheke in Kirchberg wurde 1752 durch Ludwig Georg, Markgraf von Baden erteilt. Damit ist die Kirchberger Apotheke die älteste auf dem Hunsrück.

Auf der Südseite des Marktplatzes wurde 1753 die ehemalige Badische Försterei (Hauptstraße 17) erbaut.
Seit dem Umbau 1904 zeigt nur noch die Hoffront des Gebäudes und die überbaute Toreinfahrt auf der Straßenseite annährend den alten Zustand. Ursprünglich zwei-, heute dreigeschossig. Geburtshaus des berühmten Reitergenerals Friedrich Karl von Tettenborn (1778-1845).

Badische Gendarmerie (Hauptstraße 19). Erbaut nach 1750, umgebaut 1978. Die Fassade ist das einzige Beispiel spätbarocker repräsentativer Wandgestaltung im Rhein-Hunsrück-Kreis. Im Durchgang der linken Arkade befindet sich eine Nische mit lebensgroßer Sandstein-Figur des hl. Johann Nepomuk. Der Heilige in der üblichen Chorherrentracht hält in der linken Hand eine Palme, in der rechten Armbeuge ein Kruzifix, das er mit geneigtem Kopf betrachtet. Es handelt sich um eine qualitätsvolle Arbeit, die dem Mainzer Hofbildhauer Burkhard Zamels
(† vor 1757) zuzuschreiben ist.

Die katholische Pfarrkirche St. Michael ist die historisch bedeutendste und wohl auch älteste Kirche auf dem Hunsrück. Bereits in karolingischer Zeit entstand auf dem Gebiet des Denzer Königsguts die Großpfarrei Kirchberg. Zu dem ausgedehnten Pfarrsprengel gehörten Ende des 15. Jahrhunderts insgesamt 51 Orte. 1688 wurde die Benutzung der Michaeliskirche als Simultankirche eingeführt. Dieses Simultaneum wurde durch notariellen Vertrag vom 15. Juni 1965 aufgehoben. Die evangelische Kirchengemeinde verkaufte ihren Anteil
an die katholische Kirchengemeinde, um mit dem Erlös den Neubau der Friedenskirche zu finanzieren. Die 1967/68 durchgeführten Grabungen im Kirchenbereich haben ergeben, dass die heutige spätgotische Hallenkirche drei steinerne Vorgängerbauten (8.–11. Jahrhundert) hatte. Deren Fundamente sind teilweise freigelegt worden und können nach Absprache besichtigt werden. Der 43 m hohe Kirchturm an der Westfassade des Langhauses
stammt aus der Zeit nach 1200. Der relativ einfach verputzte Außenbau der Michaeliskirche mit hohen Maßwerkfenstern wird belebt durch das in Sandstein ausgeführte Hauptportal mit Vorhalle auf der Südseite.
Im Kircheninnern überrascht zunächst die Weiträumigkeit und Einheitlichkeit des beinahe quadratischen
Langhauses, hervorgerufen durch die annähernd gleiche Höhe von Mittelschiff und Seitenschiffen sowie durch die weiten Pfeilerabstände. Im Langhaus befinden sich an den Pfeilern und Gewölberippen 74 Steinmetzzeichen, die mindestens 10 verschiedenen Handwerkern zugeordnet werden können. Der Chor wird von einem Netzgewölbe
mit fünfteiligem Stern im Chorschluss überspannt. Von überdurchschnittlicher Qualität sind die beiden Schlusssteine des Chorschlusses mit der segnenden Hand Gottvaters und dem Antlitz Christi. Die Ausmalung des Langhauses wurde 1968 nach spätgotischen Befunden wiederhergestellt. Zu den ältesten Teilen der Kirche gehört der runde Turm auf der Südwestseite des Langhauses. Dieser Treppenturm wird dem Bau III (1. Hälfte des
11. Jahrhundert) zugerechnet. Zu den wenigen Ausstattungsstücken, die aus der Erbauungszeit erhalten geblieben sind, gehört die Sandsteinkanzel (um 1490), die am nördlichen Chorpfeiler angebracht ist. Der Hochaltar aus Eichenholz besitzt seit 1969 wieder die ursprüngliche Farbfassung. Er wird der Mainzer Altarkunst zugerechnet und zählt zu den wertvollsten Altären im Hunsrück. Im Mittelteil des Altars befindet sich ein Gemälde mit dem kämpfenden Erzengel Michael (Kopie eines Gemäldes von Guido Reni), in der Altarbekrönung die gemalte Halbfigur des hl. Bonifatius mit der Jahreszahl 1750 und als Abschluss das Auge Gottes im Strahlenkranz. Die Seitenaltäre wurden 1968 um die Mensa verkürzt und sind im Aufbau gleich. Sie zeigen in baldachingeschmückten Nischen auf der Nordseite Maria Immaculata (1759) und auf der Südseite Johannes Nepomuk (1780). Der Beichtstuhl auf der südwestlichen Seite unter der Empore wurde um 1800 mit klassizistischen Schmuckelementen gefertigt. Das im Chorraum aufgestellte Taufbecken kann in die erste
Hälfte des 18. Jahrhunderts datiert werden. Zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert sammelten sich im Innern
der Kirche zahlreiche, zumeist recht einfache Grabdenkmäler von Mitgliedern des Ortsadels, von Beamten und führenden Bürgern der Stadt an. Kunsthistorisch interessant sind vor allem die Inschriftepitaphien aus der Simmerner Werkstatt des Johann von Trarbach.

Der Nordeingang der Kirche ist in der Regel tagsüber geöffnet.
Besichtigung und Führung nach Vereinbarung mit dem Pfarramt, Tel. 06763/1513.
Der Kirchplatz um die Michaeliskirche, der bis 1792 noch als Friedhof gedient hatte, ist heute allseits durch Häuserzeilen begrenzt.

Das katholische Pfarrhaus auf der Westseite des Kirchplatzes ist ein ehemaliges Piaristenkloster mit Portalwappen aus badischer Zeit, erbaut 1765. Bereits 1757 waren auf Betreiben des damaligen Landesherrn
Ludwig Georg, Markgraf von Baden, Piaristen aus Rastatt zur Seelsorge und Schultätigkeit nach Kirchberg berufen worden, um die Nachfolge der in Kirchberg tätigen Karmeliter anzutreten. In den Innenräumen des Gebäudes befinden sich noch einige Heiligenfiguren und mehrere historische Gemälde aus der Zeit der Piaristen sowie ein alter Brunnen aus einem Vorgängerbau.1978 erfolgte die Umgestaltung zum katholischen Pfarrzentrum.

Nur wenige Schritte vom Marktplatz entfernt, dort, wo die Schülergasse in die Eifelgasse einmündet, steht ein auffälliges, schmalbrüstiges Fachwerkhaus, in dem seit 1984 ein kleines sehenswertes Heimatmuseum
untergebracht ist. Hier wird die vielseitige Geschichte der „Stadt auf dem Berge“ von den Anfängen bis zur Neuzeit in Exponaten, Urkunden und Bildern auf anschauliche Weise dokumentiert. Das Heimathaus beherbergt außerdem eine kleine historische Fahrradsammlung. Erbaut wurde das Haus 1732. Das zweigeschossige streng gegliederte Fachwerkhaus mit leicht vortretendem Obergeschoss hat einen trapezförmigen Grundriss mit einer Breite von 1,65 m zum Marktplatz hin.

An die ehemalige Badische Truchsesserei in der Markgrafengasse erinnert nur noch das kleine Wachthaus an der Einmündung der Eifelgasse in die Straße „Auf dem Gleichen“. Von den früheren Burghäusern ist nur der Adelshof der Familie von Eich (Hauptstraße 75) am westlichen Ende des alten Stadtkerns in Teilen erhalten geblieben, insbesondere der achteckige Treppenturm mit Wendeltreppe und dem Wappen des Erbtruchsesses Jakob von Eich mit der Jahreszahl 1578. Die geschweifte Haube des Treppenturms wurde 1983 nach altem Vorbild erneuert.

Die im 18. bis 20. Jahrhundert in Kirchberg ansässigen Juden waren in einer jüdischen Kultusgemeinde zusammengeschlossen. Sie hatten eine kleine Synagoge in der Glöcknergasse (vorher Affengasse), eine
Religionsschule und einen eigenen Friedhof an der Metzenhausener Straße. In Kirchberg sind bereits sehr früh (erstmals 1287) jüdische Händler nachweisbar. Ein Pogrom im 14. Jahrhundert bewirkte das vorläufige Ende der Judengemeinde in Kirchberg. Erst im 18. Jahrhundert entwickelte sich wieder eine jüdische Gemeinde. In
der NS-Zeit verließen viele Juden ihren Heimatort und wanderten aus. 70 Kirchberger Juden wurden zwischen 1942-1945 Opfer der Shoa. Am 9. November 1938 wurde die Kirchberger Synagoge geschändet und 1972 abgerissen. Zur Erinnerung an die Kirchberger Juden, die im III. Reich umgebracht wurden, errichtete die Stadt Kirchberg im November 1998 auf dem Marktplatz vor der Tourist-Information einen Gedenkstein.

Einer der drei weithin sichtbaren Türme von Kirchberg, der Wasserturm, gilt neben der Michaeliskirche und der Friedenskirche als Wahrzeichen der Stadt. Er wurde 1899 „Auf der Schied“ am Südwestrand der Stadt errichtet und 1900 zusammen mit dem Wasserwerk in Betrieb genommen. Der 36 m hohe Wasserturm wird heute für die Trinkwasserversorgung nicht mehr benötigt und befindet sich in Privatbesitz.

Ehemaliger Gefängnisturm Zu den ältesten Gebäuden der Stadt zählt das in der „Glöcknergasse“ stehende Haus Glöcknergasse 10. Es trug früher den Namen Gasthaus „Zum Affen“. Dieser Name soll der Überlieferung nach von einem hölzernen Gerät, das die Bezeichnung „Affen“ hatte, stammen. Es wird berichtet, dass bei kleineren Vergehen die Betroffenen an diesen Affen (Pranger) gebunden wurden und dem Spott und Hohn der Bevölkerung ausgesetzt waren. Auf der Westseite des Gebäudes sind noch sichtbare Reste der Stadtmauer zu erkennen.


Bekannte Persönlichkeiten

Karl Friedrich Freiherr von Drais, am 29. April 1785 in Karlsruhe als Sohn eines angesehenen Hofrats geboren, entwickelte 1817 das erste lenkbare Laufrad und legte damit den Grundstock für unsere heutigen Fahrräder. Der Vater war im September 1790 vom Markgraf von Baden aus gesundheitlichen Gründen nach
Kirchberg, damals Verwaltungssitz des Badischen Oberamtes, versetzt worden. Mit dem Ausbruch der französischen Revolution und dem Vordringen der französischen Truppen floh die Familie 1794 nach Karlsruhe.
Nach dem Studium schlug Karl zunächst die Forstlaufbahn ein. Schon früh machte er seine ersten Erfindungen.
So konstruierte Karl 1813 eine vierrädrige „Fahrmaschine ohne Pferde“. Im Jahr 1817 konnte er dann seine „Laufmaschine“ vorstellen. Das Laufrad war nicht die einzigste Erfindung des Genies. So entwickelte er im Zeitalter des beginnenden Eisenbahnbaus eine nach ihm benannte Eisenbahndraisine. Eine Gedenktafel
ihm zu Ehren wurde im Juli 1997 am Torbogen zwischen Marktplatz und Kirchplatz angebracht. Ein Nachbau
der von ihm erfundenen „Laufmaschine“ steht heute im Kirchberger Heimathaus.

Nanny Lambrecht, am 15. April 1868 in Kirchberg geboren und aufgewachsen, ist ohne Zweifel die größte Tochter Kirchbergs und gleichzeitig die bedeutendste Hunsrücker Schriftstellerin. Sie war für ihre Zeit eine überaus mutige, sozial engagierte Autorin, die furchtlos soziale Ungerechtigkeiten anprangerte und eine Verbesserung der Lebensverhältnisse, vor allem der Frauen, anstrebte. Mit ihrem wohl bekanntesten Hunsrückroman „Armsünderin“ entfesselte sie 1906 den katholischen Literaturstreit darüber, was Dichtung darf. Das in der Hauptstraße gelegene Anwesen Nr. 67 ist ihr Geburtshaus.