Wandern - Tour 12

Tour 12:
Rund um den Flughafen Frankfurt-Hahn

Von der Bohr-Insel durch die ehemalige Housing nach Raversbeuren und Hahn, vorbei am Terminal und über Lautzenhausen zurück zur Bohr-Insel

Länge
: ca. 20,5 km
Wanderzeit: ca. 4 ½ Stunden
Anreise: Mit dem Auto: Start und Ziel ist die
Bohrinsel an der Abfahrt der B 50 zum Flughafen
Frankfurt-Hahn. Parkmöglichkeiten
vorhanden. Mit dem Bus: RegioLinie 644 bis
Haltestelle „Bohr-Insel“
Einkehrmöglichkeiten: Bohr`s Gastro Insel
an der K 2 zwischen Büchenbeuren und
Lautzenhausen, Gaststätten, Cafés, Flughafen
Frankfurt-Hahn und Lautzenhausen

Wegbeschreibung:
Gegenüber der Einfahrt der Bohr- Insel gehen wir in westlicher Richtung auf einem asphaltierten Wirtschaftsweg
hinauf bis zum Wasserbehälter. Von dort ein weiter Blick nach Osten über die Bohr-Insel, Sohren und Kirchberg mit seinen Türmen. Dahinter am Horizont die Hügelkette des Soonwaldes: Von links Bingerwald, Großer Soon und schließlich der Lützelsoon (kleiner Soon). Von dort oben auch ein Blick auf Lautzenhausen (im Vordergrund) und auf das imposante Flughafengelände mit der neuen Zufahrtsstraße. Am Wasserbehälter biegen wir zunächst in Richtung
Flughafen ab, marschieren am Zaun entlang bis zur Zufahrtsstraße zum Flughafen, der wir knapp 200 m bis an die Abzweigung zur Landespolizeischule folgen. Auf dieser Straße in Richtung Landespolizeischule durchschreiten wir das „Mainzer Tor“, überqueren die Brücke über das ehemalige Bahngleis zum Flughafen und gelangen in den Ortsteil
„Scheid“ von Büchenbeuren, die ehemalige Housing (Wohnsiedlung für die US-Streitkräfte und ihre Angehörigen).
Wir folgen der nach rechts abbiegenden Vorfahrtsstraße vorbei an alten Wohnblocks. Wir biegen schließlich kurz vor dem Zaun, der die Landespolizeischule umgibt, in die zweite nach Norden führende Straße ab; eine recht schmale Straße, beiderseits von einem Zaun umgeben. Wir passieren zwei Hallen; dann wird der Blick auf die Verlängerung der Startbahn und das Sportgelände der Landespolizeischule frei.
Wir erreichen die stillgelegte Hunsrückhöhenstraße, der wir bis zum von Büchenbeuren heraufziehenden Wanderweg I folgen. Wir biegen nach Norden in I ein, der von einigen Markierungspfosten einer Fernleitung (NATO – Pipeline)
gesäumt wird. Wir erreichen die von Lötzbeuren zur Hunsrückhöhenstraße führende Straße, der wir jedoch nicht folgen. Wir biegen scharf rechts in einen Waldweg ab. Bald taucht der Flughafenzaun auf, dem wir bis zur stillgelegten Hunsrückhöhenstraße, und weiter bis zur Abfahrt nach Enkirch folgen. An diesem Punkt stehen immer
wieder Zuschauer, die Starts und Landungen beobachten möchten.Wir schwenken in die Landesstraße 193 in Richtung Enkirch ein, der wir bis zum Waldrand folgen. Von dort ein herrlicher Blick auf Raversbeuren im Vordergrund, dahinter die waldreichen Hügel des Moselhunsrücks und am Horizont die Vulkankegel der Eifel. Wir wandern rechts hinunter am Waldrand entlang und folgen dem ersten abbiegenden Feldweg, der bald asphaltiert ist. Auf diesem Wirtschaftsweg erreichen wir wieder die L 193 kurz vor dem Ortseingang von Raversbeuren. Von dort erkennen wir am Horizont im Westen den Hardtkopf mit dem hohen Sendemast.
Der Weg führt uns durch Raversbeuren zunächst immer noch in Richtung Enkirch (Lockergass) bis zum Friedhof am Ortsrand. Kurz vor dem Friedhof drei mächtige Bäume, eine Linde, eine Kastanie und eine Ulme. Auf dem Friedhof finden wir den Grabstein des bekannten Hunsrückdichters Albert Bauer (1890 – 1960). Ab dem Friedhof wandern wir
dann die nächsten Kilometer den Wanderweg IV. Zunächst geht es an der evangelischen Kirche aus dem Jahre 1707 vorbei, umstanden von prächtigen Linden und Kastanien. Am Gemeindehaus erreichen wir die Dorfstraße in Richtung Briedel. Am Ortsausgang ein Ziehbrunnen aus dem 18. Jahrhundert, daneben eine prächtige Linde. Wir verlassen
dann die Straße nach Briedel im Tal am alten Wasserhäuschen und folgen dem Wegweiser nach Hahn. Dann ein letzter Blick auf Raversbeuren mit seiner von hohen Bäumen umstandenen Kirche. In der letzten Kurve des Anstieges erreichen wir das Gelände einer römischen Siedlung. Bald geht der Blick nach Norden zur ehemaligen Domäne „Briedeler Heck“, heute Margaretenhof, wo in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine römische Villa ausgegraben wurde. Mehr als 30 Räume konnten freigelegt werden. Diese ruhige Wegstrecke zwischen Raversbeuren und Hahn ist ein besonderer Kontrast zu dem geschäftigen Treiben auf demFlugplatz, das uns am Ende unserer
Wanderung erwartet. Wir erreichen das Dorf Hahn, überschreiten die Straße nach Briedel und gelangen „An der Gass“ am östlichen Ortsrand zur Hahner Simultankirche, um die sich der Friedhof der Gemeinde befindet, umstanden von mächtigen Ahornbäumen, gepflanzt im Jahre 1851. Wenige Meter hinter der Kirche folgen wir dem Wanderweg
IV in Richtung Würrich. Ins Tal führt der Weg nach Zell, vorbei an der ehemaligen Schiefergrube „Gute Hoffnung“. Auf der Höhe am Ende des Teerweges ein imposanter Blick nach Westen auf die Start- und Landebahn. Wir verlassen dann IV und marschieren an einem Wasserbehälter vorbei zur Hunsrückhöhenstraße, die wir mit Vorsicht überschreiten, um in die Straße nach Bärenbach und Sohren abzubiegen. Wir verlassen jedoch diese Straße sofort wieder ins Flughafengelände und gelangen durch das „Koblenzer Tor“. Wir folgen den Hinweisschildern zur Kartbahn. Nach der Kartbahn folgen wir der sehr breiten Straße vorbei an ehemaligen Flugzeugunterständen. Wir bleiben auf
der breiten Betonpiste und biegen dann in die neue Straße an den Güterhallen ein. Verkehrsschilder zum Terminal und zum Busbahnhof weisen uns den Weg. Vorbei an endlos scheinenden Parkplatzflächen erreichen wir den Fußweg hinauf zum Terminal, in dessen Nähe sich auch der Busbahnhof befindet, wo die RegioLinie 644 beginnt und endet. Wer bis zur Bohr-Insel zurück will, geht vom Busbahnhof in direkter Linie nach Lautzenhausen, dessen Hauptstraße geprägt ist von den ehemaligen Vergnügungslokalen für die US-Streitkräfte. Wir biegen im Ort in die Straße nach Büchenbeuren ein und erreichen schließlich wieder die Bohr-Insel.
Seit mehr als einem halben Jahrhundert gehört „der Hahn“ – so wird der Flughafen Frankfurt-Hahn noch heute im Volksmund genannt – untrennbar zum Hunsrück. Es begann im Februar 1951, als Vertreter einer großen Baufirma bei den Ortsbürgermeistern der Dörfer Hahn und Lautzenhausen erschienen und erklärten, dass im Auftrag der französischen Besatzungsmacht zu beiden Seiten der Hunsrückhöhenstraße ein Flugplatz gebaut werden solle. Schon im April erfolgten die ersten Landbeschlagnahmungen. Ein Jahr später, im Sommer 1952, übernahmen die US-Streitkräfte das Gelände, die dann fast 39 Jahre im Rahmen der NATO diesen Flugplatz betrieben.
Der eigentliche Flugplatz war 1953 fertig gestellt, aber gebaut und erweitert wurde immer auf dem 570 Hektar großen Gelände. Bis 1991 war der Flugplatz Heimat des 50. taktischen Jagdgeschwaders der US Air Force. Mehr als 14.000 Soldaten und ihre Angehörigen lebten auf dem Hunsrück, nur 6.000 auf dem eigentlichen Flugplatzgelände, der
Rest – mehr als 8.000 – verteilt auf mehr als 200 Dörfer und Städte. Es war ein junges Gemeinwesen – fast 400 Geburten gab es jährlich im Krankenhaus des Flugplatzes, fast 2.100 Schüler besuchten die beiden Schulen der Air Base. Deutsche und Amerikaner lebten miteinander, gewöhnten sich aneinander und heirateten untereinander.
Nach dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes und dem Ende des „Kalten Krieges“ hatte der Flugplatz seinen Sinn verloren. Der Auftrag des 50. taktischen Jagdgeschwaders war erfüllt, im August 1991 verließ die letzte Maschine
den Hahn – und mehr als 800 zivile Arbeitsplätze waren verloren gegangen. Was sollte mit diesem großen Militärgelände passieren? Schon früh entstand der Gedanke, das Gelände als zivilen Flughafen weiter zu nutzen. Im Sommer 1993 kam dann die Genehmigung zum Betrieb eines zivilen Flughafens, und die Gründung einer Entwicklungsgesellschaft erfolgte. Sonst tat sich allerdings nicht viel in den nächsten Jahren – ganze 29.000 Passagiere zählte der Flughafen im Jahr 1998. Einziger Lichtblick dieser Jahre war die Verlegung der Landespolizeischule des Landes Rheinland-Pfalz auf den Hahn. So wurde ein Großteil der ehemaligen amerikanischen Wohnsiedlung im Büchenbeurener Ortsteil „Scheid“ einer sinnvollen Nutzung zugeführt.
1998 erfolgte eine große Veränderung: Die Flughafen Frankfurt/ Main AG – heute Fraport AG – wurde neuer Mehrheitsgesellschafter des Flughafens. Es ging buchstäblich ein Ruck durch den Flughafen. Der Frachtverkehr verzeichnete von Jahr zu Jahr Steigerungsraten und auch der Passagierverkehr erfuhr eine merkliche Zunahme. Im
Laufe der letzten 10 Jahre hat der Flughafen sein Gesicht total verändert. Ein neues Terminal entstand, das inzwischen bereits erweitert wurde; die Start- und Landebahn wurde verlängert, eine komplett neue Zufahrtsstraße wurde gebaut und eine ganze Reihe Frachthallen wurden errichtet. Nahezu 210 Millionen Euro wurden in den letzten
10 Jahren in die Infrastruktur des Flughafens investiert. Das Ergebnis des Jahres 2007: Der Flughafen verzeichnete 4.015.155 Passagiere, 289.404 Tonnen Luftfracht wurden bewegt und insgesamt sind derzeit 3.225 Arbeitnehmer auf dem Flughafen beschäftigt, der das größte Konversionsprojekt des Landes Rheinland-Pfalz ist. Im Sommer werden insgesamt 47 Flugziele in Europa und Afrika angeflogen.
Raversbeuren, nordwestlich des Flughafens Frankfurt-Hahn in einer sich nach Nordwesten öffnenden Talmulde gelegen, wird 1324 erstmals urkundlich erwähnt. Auf der Gemarkung befinden sich mehrere Gräber aus der Hallstattzeit. Nordwestlich von Raversbeuren, unweit des „Margaretenhofes“, wurde 1867 eine römische Villa mit mehr als 30 Räumen entdeckt, 1875 vom Rheinischen Provinzialmuseum untersucht und teilweise freigelegt. Der Komplex des Gutshofes (ohne die Nebengebäude) umfasste eine Fläche von 41 m x 26 m.
Offenbar war Raversbeuren eine alte Besitzung des Klosters Ravengiersburg. Die heutige evangelische Kirche am Westrand des Dorfes, zwischen schönen alten Bäumen, geht in einzelnen Bauteilen bis ins Mittelalter zurück. Ein gedrungener Turm, wohl aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, mit achtseitigem Turmhelm aus dem 15. Jahrhundert, besitzt im Erdgeschoss einen rundgewölbten Raum, der sich nach Osten zum Schiff hin öffnet. Das Langhaus, 1707 erneuert, schließt nach Osten dreiseitig.
Äußerlich eher unscheinbar, bietet das kleine Kirchlein im Innern überraschenderweise drei kunstgeschichtliche Besonderheiten: 1. Die an der West- und Nordwand umlaufende hölzerne Empore, die in ihrer feinen Ausformung über das sonst in Hunsrücker Dorfkirchen Übliche hinausragt. 2. Die beeindruckenden Malereien an Emporenbrüstung und Kanzel mit einem biblischen Bilderzyklus aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. 3. Die bildschöne Stummorgel auf der Ostempore, 1752/53 errichtet. Im Glockenturm, für den Besucher nicht sichtbar, befindet sich die wohl älteste Glocke im Hunsrück aus dem 13. Jahrhundert.
Der Hunsrückdichter Albert Bauer, geboren am 2. Oktober 1890 in Raversbeuren, gestorben am 21. August 1960 in Mainz, ist auf dem Friedhof seines Heimatortes beigesetzt. Autor der Romane „Hunsrückbauern“ (1928), „Folkert der
Schöffe“ (1935) und andere. Nebenbei verfasste Albert Bauer eine große Anzahl von Gedichten und Sinnsprüchen. Für seine literarische Arbeit wurde er u.a. von den Städten Düsseldorf, Saarbrücken und Koblenz geehrt.
Der Ort Hahn, Namensgeber des Flughafens Frankfurt-Hahn, liegt direkt an der Hunsrückhöhenstraße, unweit des Flughafengeländes. Der Ort wird erstmals um 1120 in einem Urkundenbuch erwähnt, ebenso in einem Gefälleregister von 1330/35. Auf der Gemarkung finden sich römische und fränkische Siedlungsspuren.
Die kleinste Simultankirche im Rhein-Hunsrück-Kreis steht in Hahn. Sie besitzt neben dem Wetzlarer Dom das zweitälteste Simultaneum in der Rheinischen Landeskirche. Es wurde am 17. Mai 1689 eingeführt. Die Kirche liegt etwas abseits des Ortes in einem kleinen Wiesental, malerisch umgeben von einem Friedhof und einer alten Baumgruppe. Der romanische Westturm entstand um 1370. Er diente den Menschen damals auch als Schutzund
Fluchtturm. Chor und Langhaus wurden etwa 100 Jahre später an den Turm angefügt. Innenausbau und Fenster stammen aus der spätgotischen Zeit zwischen 1450 und 1500. Von den zwei Glocken aus dem Jahr 1489 ist nur eine noch erhalten. Die Kirche war früher einmal größer als heute. Zwei zugemauerte Rundbögen auf der Nordseite deuten
auf einen dreischiffigen Bau hin.
Seit Frühjahr 2007 gibt es in Hahn einen ausgeschilderten 4 km langen „Schiefergruben-Rundweg“, beginnend
von der Simultankirche am Willwertsbach vorbei hinunter bis zur Schiefergrube „Gute Hoffnung“, von dort aus über den „Barbarasteg“ wieder hinauf zum Ausgangspunkt (Hahner Kirche). Von den ehemals elf genannten Schiefergruben war die Grube „Gute Hoffnung um 1920 eine der größten Schiefergruben im Hunsrück. Ihre Schließung erfolgte 1952.
Zahlreiche frühe Siedlungsspuren auf der Gemarkung Lautzenhausen belegen, dass das Gebiet schon lange vor der urkundlichen Ersterwähnung des Dorfes besiedelt war. Die Bodenfunde reichen zurück in die Eisenzeit. Ein großer Teil der Grabhügeln fielen dem Flugplatzbau zum Opfer.
Erstmals urkundlich erwähnt wird Lautzenhausen in einer Urkunde vom 19. September 1338, als die Grafen von Sponheim, die als Besitzer der Burg Dill unter anderem auch in Lautzenhausen Herrschaftsrechte ausübten, Teile der Burg mit den dazugehörigen Orten dem mächtigen Erzbischof Balduin von Trier übertrugen. Lautzenhausen gehörte bis zur Verwaltungsreform im Jahre 1970 zum „Amt Büchenbeuren“.
Die Entwicklung des Flugplatzes Hahn hatte auf das Dorf und seine Bewohner unübersehbare Auswirkungen, und zweifellos gehört der Flugplatzbau zu den nachhaltigsten Wendepunkten im Leben der Gemeinde. Die Hahn Air Base hat das Dorf in jedweder Hinsicht berühmt gemacht. Als die Amerikaner den Flugplatz gleich neben dem Dorf bauten und später dort stationiert waren, begann das Leben zu pulsieren (beinahe wie in einer Großstadt). Aus alten Scheunen wurden Bars, aus Ställen Cafés und Restaurants und es entstand eine Vergnügungsindustrie, die das Gesicht des Dorfes völlig veränderte. Beim Bau des Flugplatzes verlor die Gemeinde einen Großteil ihres Waldbestandes, der durch Zukauf von Waldflächen bei Stromberg und Zell wieder aufgestockt wurde.